Brischni.de: Herr Wölfchen, Sie gelten als harter Mann, wenn es um den Abbau von Arbeitsplätzen
an Deutschen Standorten geht. Wie ist Ihre Position ?
Wölfchen: Wir müssen immer sehen, ob die Verhältnisse Dinge erfordern oder aber in sich
verkehren. Dies war für mich stets die entscheidende Frage. Wenn man sich an diesen Grundsatz hält
fährt man stets gut......
Brischni.de: Sieht ein Familienvater der seinen Job verliert das auch so?
Wölfchen: Es sind immer die gleichen Argumente denen man begegnet. Wir müssen dies auf einer
globaleren Ebene sehen. Oder sagen wir es bildlich: Nur wer morgens Kaffee kocht, kann auch selbigen
trinken. Das Problem liegt darin, dass dies oft verkannt wird. Das gilt natürlich auch für den
Familienvater von nebenan.
Brischni.de: Was wollen Sie uns damit sagen?
Wölfchen: Es geht nicht immer darum was man sagen will. Die Frage ist doch eher wie man es
sagt. In den Unternehmen in denen ich tätig war habe ich stets den Turnaround dadurch geschafft,
dass ich den Cost Average durch eine gezielte Verschlankung schneller in den Rebound geführt habe.
Nur so lässt sich ein Konzern auf Sicht zu echtem Wachstum fördern....
Brischni.de: Das verstehen wir nicht.....
Wölfchen: Nehmen Sie doch mal die Gazelle. Die Gazelle läuft schneller, wenn der Gepard
hinter ihr her ist. Ist aber das Flusspferd hinter der Gazelle her, braucht sie nicht so schnell
laufen. Und warum ist das so?
Brischni.de: Keine Ahnung, warum das mit der Gazelle so ist.....
Wölfchen: Es liegt daran, weil das Flusspferd sich vorwiegend im Wasser bewegt und
Gazellen an Land. Und dies müssen Sie einfach auf den Konzern übertragen. Stellen Sie sich vor
Sie sind bildlich gesprochen nicht der Konzern, sondern die Gazelle. Was sagt dann wohl das
Flusspferd dazu?
Brischni.de: Kann ein Flusspferd etwas sagen?
Wölfchen: Das Flusspferd sagt garnichts dazu, weil die Gazelle nicht seinem klassischen
Kundenprofil entspricht. Und genau da sind wir an dem Punkt, wo wir hin müssen.....
Brischni.de: Noch mal zur Eingangsfrage. Was hat der Familienvater davon oder was sagen Sie ihm?
Wölfchen: Der Familienvater muss sich dem Workflow anpassen. Es war doch auch bei mir so.
Ich verlor einen Vorstandsposten und fiel mental in ein tiefes Tal. Ich habe dann drei Monate
auf den Bahamas verbracht und mich psychisch auf meine nächste Aufgabe vorbereitet. Auch der
Familienvater sollte das tun. Eine längere Auszeit und eine gewisse Entspannung bergen den
Schlüssel zu neuen Ufern....
Brischni.de: Beim Familienvater könnte es am Geld scheitern......
Wölfchen: Dieses Argument lasse ich nur bedingt gelten. In meinem neuen Buch "Vom
Pleitegeier zum Multi-Adler" nehme ich ausführlich Stellung dazu. Ich denke, dass das Geld
auf der Strasse liegt - man muss es sich nur nehmen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin
den Koeffizienten einer Währung im Verhältnis zum Wert eines Segmentes am Markt zu sehen.
Oder bildlich gesprochen: Was nutzt ein Rasenmäher ohne einen Garten ? Ich hoffe, dass
Sie dieses Gleichnis verstehen. Es ist mein Leitmotiv und hat mir manchen wirtschaftlichen
Erfolg eingebracht.
Brischni.de: Zunächst einmal möchten wir uns für dieses Interview bedanken. Zum Abschluss noch
eine Frage: Wie ist Ihre Meinung zum Brischni-Magazin ?
Wölfchen: Ich finde dieses Magazin sehr gut und freue mich, dass ich hier in Erscheinung
treten darf. Das Magazin hat mir zu ganz neuen Denkansätzen verholfen. Ich besuche jetzt
beispielsweise einen Furz-Kurs in unserer Volkshochschule. Es geht darum sich zu befreien.
Ich denke auch, dass dieses Urverhalten wieder stärker in uns kommen muss. Ich bin nun mehr
der wilde Stier und meine Frau weiss das zu schätzen......
Brischni.de: Danke für das Interview, Herr Dr. Wölfchen......